Oktoberfest

Wer kennt nicht die Bilder vom Oktoberfest aus dem Fernsehen und aus der Zeitung: Sturzbetrunkene Lederhosenträger torkeln pöbelnd durch die Gegend, fallen von der Bierbank und werden letztendlich von entnervten Sanis abtransportiert. Das Oktoberfest als einzige Sauforgie, gegen die der Rheinische Karneval gerade mal ein Kaffeekränzchen ist.

Viele Jahre habe ich geglaubt, das Oktoberfest bestünde lediglich aus Bierzelten, die mit besoffenen Maß-Trinkern angefüllt sind, untermalt von schlechter Blasmusik. Und als ich nach München kam, habe ich mich natürlich strikt geweigert auch nur einen Fuß auf die Theresienwiese zu setzen. Mit viel Mühe gelang es dann einigen guten Freunden, mich zu einem Wies'n-Besuch zu überreden. Erster Blick auf die Theresienwiese: "Das ist ja eine riesengroße Kirmes!!!!"

Ist es. Schöner als die Cranger Kirmes, die große, im Ruhrgebiet so beliebte, mit verrückten Fahrgeschäften, gebrannten Mandeln, Zuckerwatte und allem was dazu gehört.

Und was die Bierzelte angeht: Inzwischen habe ich einige kennengelernt, denn wer in München arbeitet, muss mit mehreren geschäftlichen Einladungen rechnen. Die kann man nicht absagen, auch als Preiß nicht. Das Hippodrom ist übrigens empfehlenswert - dort legt man Wert auf recht gute Bands, das Essen ist gut und man bekommt auch ein Radlermaß. Pöbler werden kurzerhand vor die Tür gesetzt - klingt hart, aber ist einfach unabdingbar. Nachteil: wegen des guten Rufs bekommt man ohne Vorbestellung eigentlich keinen Platz mehr.

Und die Preise... naja, billig ist es nicht und die Preise steigen alljährlich. Viele, die in München arbeiten, bekommen von ihrer und anderen Firmen "Biermarkerl" und "Hendlmarkerl". Damit lässt es sich einigermaßen finanzieren. Abgesehen davon: Die Hendl auf dem Oktoberfest sind ihren Preis wert. Ich habe noch nie so gute gegessen, frisch sind sie, mit Kräutern gegrillt und knusprig.

Die Betrunkenen aus dem Fernsehen gibt es natürlich auch. Das kann man bei aller Liebe nicht abstreiten. Viele davon sind Touristen, um das mal klar zu stellen - aber auch Münchner leisten sich den totalen Absturz auf der Wies'n.

Der echte Horror ist allerdings die U-Bahn. Nicht nur, dass die Abgestürzten herumpöbeln, gröhlen, Unflätigkeiten und Mageninhalte von sich geben - richtig gefährlich wird es auf dem Bahnsteig. Völlig überfüllt - doch wenn man nah an den Bahnsteigrand geht, um irgendwann doch noch in eine U-Bahn einzusteigen, ist die Gefahr von hinten angerempelt zu werden, extrem hoch. Es empfiehlt sich eine Haltestelle später einzusteigen, zum Bahnhof oder zum Goetheplatz zu laufen.

Es sollte allerdings niemand auf die Idee kommen den Führerschein zu riskieren. Denn zu dieser Zeit sind die Kontrollen extrem - und das zu Recht.

Nun ja, das Oktoberfest hat seine Vor- und Nachteile. Dennoch: ich freue mich schon wieder darauf!


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