Der kleine Ratgeber München

Man sagt nicht von ungefähr, München sei das größte Dorf der Welt. Tatsächlich besteht es aus vielen kleinen Dörfern, deren Ursprünglichkeit man vor allem daran erkennt, dass es noch immer zu jeder Kirche in direkter Nähe ein Gasthaus gibt - und es hat hier sehr viele Kirchen. Aber trotz Dorfcharakter ist München kein überdimensionales Provinznest. Hier lebt alles von neuen Technologien und Medien.

München ist eine teure Stadt. Die Mieten sind hier doppelt so hoch wie im Ruhrgebiet, dafür ist allerdings auch die Arbeitslosigkeit erheblich geringer. München ist reich, schnelllebig und vergnügungssüchtig.
Und: München ist wunderschön.

Die Landesspeisen

Weißwurst ist anscheinend das Nationalgericht. Sie besteht aus einer weißlichen Masse mit grünen Kräutertupfen in einem weißen Darm. Über die Handhabung der bayerischen Weißwurst gibt es wissenschaftliche Abhandlungen und es gibt mindestens 12 "einzig richtige" Arten, eine Weißwurst zu essen, wobei auch der Gebrauch von Messer und Gabel zugelassen ist. Man kann sie aber auch "zuzeln", d.h. aus dem Darm aussaugen. Sehr unappetitlich (der Überrest sieht aus wie ein gebrauchtes Kondom). Unabdingbar dazu gibt es süßen Senf, Brez'n und ein Weißbier. Man darf eine Weißwurst nicht nach 12.00 Uhr mittags essen. Und man muss sie mögen (ich mag sie nicht).

Für einen Nicht-Bayern ist es einfach ein Alptraum, wenn er Hunger auf ein Frikadellenbrötchen hat. Das gibt es hier nicht, und keiner versteht, was das sein soll. Dafür bekommt man aber Fleischpflanzerlsemmeln. Dies sind nicht, wie man als unwissender Preuße wohl annehmen mag, Fleischersatzhackbällchen (Ökodellen), sondern ganz einfach: Frikadellenbrötchen.

Auch ein "Krapfen" ist kein rheinischer Krapfen mit Rosinen darin, sondern das, was man in Mitteldeutschland als "Berliner" bezeichnet. Wenn Sie ein "Brötchen" verlangen, reicht Ihnen der Bäcker ein kleines Pfundbrot. Stuten (d.h. leicht gesüßtes Hefebrot) gibt es hier gar nicht.

Bier - wer in München lebt, darf das Bier nicht vergessen. Bier ist hier Nahrungsmittel und zählt nicht zu den alkoholischen Getränken. Ein Polizist darf in Bayern während der Dienstzeit Bier trinken.
Biergärten sind hier einfach genial. Die Besonderheit an bayerischen Biergärten: man darf sich das Essen selbst mitbringen. Viele Leute bringen ihre Tischdecken mit und packen den Picknick-Korb aus. Und wer keine Brotzeit dabei hat, kann auch im Biergarten ½ Gickerl (d.h. Hähnchen), Brez'n oder anderes Essbares kaufen. Auch das Bier muss man sich selbst holen - es gibt generell nur Maßkrüge, d.h. ein Liter.

Ach ja, die Maße... In Gasthöfen bekommt man einen halben Liter, wenn man "ein Bier" bestellt. "Schnitt" ist ein schnell eingeschenktes Bier, sozusagen ein nicht volles Halbliterglas. Ein "Kleines" gibt es nur selten, das ist dann ein Viertelliter. Besonders meiden sollte man Gasthöfe, in denen es 0,4 Liter gibt (wird hier "Preußenhalbe" genannt): dies sind meistens Touristenfallen.

Die Sprache und andere Widrigkeiten des Lebens

Bayern sprechen eindeutig nicht deutsch. Die bayerische Sprache unterscheidet sich sowohl im Satzbau als auch in der Grammatik erheblich vom Hochdeutschen - von der Aussprache ganz zu schweigen. Beispiel: " Die Lastwägen, wo Brickerl aufglegt ham" (die Lastwagen, die Kies geladen haben) oder "hä?" (Was meinen Sie, bitte?).

Was man sich unbedingt angewöhnen muss: richtig grüßen. Wer kein "Grüß' Gott" über die Lippen bringt, sollte wenigstens "Servus" sagen. Und um kein Geld der Welt darf man sich mit dem preußischen "tschüs" verabschieden. (Wenn man dann allerdings wieder in außerbayerischen Gefilden ist, muß man sich das "Grüß' Gott" wieder verkneifen - sonst wird man ziemlich blöd angeschaut). *(siehe auch unseren Gastbeitrag)

Die Münchner sprechen eher wenig bayerisch. Nur wenige sind in Bayern geboren; in München findet man genügend Leute, die einen verstehen. Die Bayern unter den Münchnern sind höflich und sprechen verständlich, wenn sie sich mit einem allein unterhalten. Aber wehe, es sind mehrere Münchner anwesend, dann ist das vergessen. Nur die Taxifahrer sprechen entweder türkisch, italienisch, Suaheli oder oberbayerisch.

Dazu ein Gastbeitrag, eingesandt von unserer Bairischkorrespondentin Karin Peteranderl:

Viele Leute, die Bairisch als ihre Muttersprache betrachten und pflegen, haben bekanntermaßen eine Abneigung gegen das "Tschüß". Bisher meinte man, diese Aversion liege einfach nur darin begründet, dass es sich bei jenem Wort um einen "preußischen" Import handle, der von vornherein mit Vorsicht zu genießen sei. Es gibt aber noch einen anderen Grund dafür, warum uns jenes "Tschüß" so schwer über die Lippen geht, nämlich, weil es in der bairischen Sprache kein "ü" gibt.

Moment mal, könnte jetzt einer sagen, es gibt doch so viele Wörter, die man mit einem "ü" schreibt! - Richtig, man schreibt sie mit "ü", aber der Baier spricht sie nicht mit "ü" sondern beispielsweise mit "i" wie etwa Schissl (Schüssel), Biffe (Büffel), Diftla (Tüftler), Gribbe (Krüppel), Strimpf (Strümpfe), Hittn (Hütte), Minga (München) und viele andere. Oder das "ü" wird zu einem "ia" umgeformt: siaß (süß), miad (müde), gmiatle (gemütlich), Kiah (Kühe), Riassl (Rüssel), Fiaß (Füße), Hosndial (Hosentürchen), Schiazl (Schürze) und so weiter.

In einer Reihe von Wörtern verwandelt sich das "ü" in ein "u" oder eine Verbindung mit "u", z.B. Muggn (Mücke), Bruckn (Brücke), hupfa (hüpfen), dadrucka (erdrücken); Ruam (Rübe), bruatn (brüten); Gfuih (Gefühl), Muih (Mühle), abkuihn (abkühlen), auffuin (auffüllen). In manchen Gegenden spricht man anstelle des "ui" auch ein "ej" oder "oi", statt Gfuih also Gfejh... In Einzelfällen taucht das "ü" sogar als "ea" auf, so etwa in grea (grün) und Bleamal (Blümchen).

Und dann gibt es noch zahlreiche Fälle, in denen man das deutsche Wort lieber gleich durch ein bairisches Wort ersetzt: küssen heißt bussln, pflücken = brocka, drüben = drent, Pfütze = Lacka, Rücken = Buckl, Lümmel = gscherter Lackl, Gülle = Odl, Küken = Biwal oder Singal, Hühnchen = Hendl und und und. Der Bayer spitzt also seinen Mund höchstens zum Trinken und zum Bussln, nicht aber um ein "ü" zu sprechen, und deswegen geht ihm auch das "Tschüß" so zögernd über die Lippen. Vielleicht sollte er deshalb in Anlehnung an die aufgeführten Beispiele statt "Tschüß" in Zukunft "Tschiß" sagen oder "Tschiaß" oder "Tschuaß" oder gar "Tscheaß". Da kommt wirklich nur ein Ersatzwort in Frage. Wie wär´s mit "Pfiat di" oder "Servus"?
[Autor unbekannt]


Verkehr und Chaos

Ein Tourist in München hat es recht schwer. Ist er ohne Auto unterwegs, verbringt er mehr Zeit vor den Automaten des öffentlichen Personennahverkehrs (MVV) als auf dem Marienplatz. Man könnte meinen, der MVV habe etwas gegen Touristen. Und auch, wenn so ein hilfloser außerbayerischer U-Bahn-Benutzer einen Einheimischen befragt, verstärkt sich diese Annahme. Es ist aber gar nicht so, daß die Münchner nicht helfen wollen - sie können es nicht! Aufgrund der komplizierten Fahrpreis- und Streckenermittlungssysteme kauft fast jeder Münchner, der mit dem MVV unterwegs ist, ausschließlich Monats- oder Wochenkarten. Da kann man wenigstens am Schalter fragen. Ich bin allerdings auch fast ein Jahr mit der falschen Karte gefahren, weil der Schalterbeamte sich ebenfalls geirrt hat.

Achtung Rolltreppe! Es herrscht eine "Rechts-stehen-links-gehen-Regel". Wer auch immer ruhig tratschend auf der linken Seite einer Rolltreppe steht, ist augenblicklich als Touri entlarvt. Die Münchner Arbeitnehmer, die es immer eilig haben, können in so einem Fall schon mal ziemlich unfreundlich werden.

Dem Touristen im Auto geht aber auch nicht viel besser - es sei denn, er kommt aus Mailand, Neapel oder Paris. Der Verkehr ist enorm, es staut eigentlich immer, vor allem am Mittleren Ring. Münchner gehen davon aus, dass sie ohne Probleme die Fahrspur wechseln dürfen und ein jeder Autofahrer, der einen Münchner nicht die Spur wechseln lässt, ist entweder ein "Preiß" oder kommt aus Fürstenfeldbruck. Das Schlimmste in München ist jedoch das Parkplatzproblem. Die Münchner haben sich längst damit abgefunden, fast 2 km vom Zielort entfernt zu parken. Achten Sie mal auf das Schuhwerk der Einheimischen: Komfort kommt immer vor Eleganz.

 


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