Notting Hill

Klaus Picker
Mitten aus dem Leben

Oh ich liebe diese (Kino-) Geschichten so mitten aus dem prallen Leben, nur tragisch müssen sie halt schon etwas sein. Da fühlt man sich selbst so richtig erleichtert, da weiß man erst, dass es einem selbst soo schlecht gar nicht geht.

Armer erfolgloser Besitzer eines Buchladens für Reiseliteratur, geschieden und geplagt von einem skurrilen WG-Mitbewohner, trifft den berühmtesten (natürlich weiblichen) Filmstar. Sie kommt einfach in der mittäglichen Drehpause in seinen Shop hereingeschneit und schon beginnt die Romantik. Eine traurige zwar, aber doch irgendwie schön, zumindest für den Betrachter. Erst nach zwei Stunden weiß man, dass alles natürlich noch gut ausgeht, zumindest für den Schlußaugenblick.

Natürlich geht der Superstar sofort mit dem Literaturverkäufer zur Geburtstagsfamilienfete seiner Schwester, natürlich gibt es dann erst mal reichlich Komplikationen, warum auch nicht, so ist halt das Leben. Natürlich haben auch alle mitspielenden Charaktere irgendwelche zum Teil recht ausgeprägten Macken, aber auch das spiegelt ja das wirkliche Leben wieder. Der erste Kuss der beiden lässt nicht lange auf sich warten, leider hakt es dann erst mal, weil der Freund der Hollywood-Diva auftaucht (auch noch unangemeldet), aber man trifft sich natürlich zwangsläufig wieder.

Auch die zweite Runde geht nicht gut aus, die ganze Fotografenmeute steht vor der Tür des schmucken Reihenhäuschens mit der blauen Farbe im touristikerprobten Notting Hill im Westen Londons. Julia Roberts mag solche Publicity nicht und Hugh Grant ist (mal wieder) von der Situation überfordert.

Auch die dritte Runde scheint kein einvernehmliches Ende zu finden, aber dann kommt die einschneidende und alles entscheidende Pressekonferenz, der Star kündigt eine Pause vom schauspielerischen Schaffen an, der Buchhändler spielt (wie eingangs schon) den Pressevertreter der Fachzeitschrift 'Pferd und Hund' und erklärt sich öffentlich bereit den schweren Schritt zu wagen und die Lady zu heiraten. So ist eben das Leben, manchmal etwas verzwickt und traurig, aber immer mit einem guten Ende (oder etwa nicht¿).

Alle Gegensätze lassen sich überwinden, man muss es nur wollen und den rechten Weg finden. So ist auch der Film, manchmal etwas konstruiert, traurig schön romantisch, tolle und sehr unterschiedliche Charaktere, gute Schauspieler, nette Szene, unterhaltsam halt, kein sonderlicher Tiefgang, aber den braucht man ja auch nicht unbedingt, wenn man bequem zurückgelehnt im Kinosessel das pralle Leben an sich vorbeiziehen lassen will. Der eigene Alltag kommt schon früh genug wieder und bei dessen Bewältigung kann man dann ja getrost auf diese gewonnen (Kino-) Erfahrungen zurückgreifen (oder etwa auch nicht¿).

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