Anna Wimschneider

Herbstmilch

Mit bäuerlicher Bergromantik hat dieses Buch nichts zu tun. Anna Wimschneider, Jahrgang 1919, erzählt ihre Geschichte. Für mich eine ungewöhnliche Geschichte - für Bäuerinnen der 30er Jahre wahrscheinlich eine ganz gewöhnliche. Nach dem Tod der Mutter übernimmt das achtjährige Mädchen den Haushalt, putzt, kocht und wäscht für den Vater und sieben Geschwister. Die Schule kommt dabei oft zu kurz. Anna beschließt, niemals Bäuerin, sondern Krankenschwester zu werden. Doch dann lernt sie Albert kennen und nach anfänglichen Schwierigkeiten mit Annas Vater, heiraten die beiden. Auch Albert ist Bauer und soll den Hof seines Onkels übernehmen. Der Krieg beginnt und Albert wird nur wenige Tage nach der Hochzeit eingezogen. Anna versorgt nun den Hof ihres Mannes, bestellt die Felder, pflegt Tanten und Onkeln, die dort leben und leidet sehr unter der eifersüchtigen Schwiegermutter. Anna schildert ihr Leben in einfachen Worten und trockenen Tatsachen: Den Einfluss der Nationalsozialisten auf dem Land, die Schwierigkeiten während des Krieges, als die Männer eingezogen waren und die Frauen deren Arbeit noch zusätzlich zu der gewohnten Hausarbeit auf sich nahmen, den Neid der Städter auf die gefüllten Speisenkammern der Bauern.

Herbstmilch ist ein stilles und aufrichtiges Buch, einfach geschrieben, unsentimental und ohne Selbstmitleid. Ein Stück Heimatkunde, das wir Städter nicht kennen und das in den Schulbüchern ausgelassen wurde. So hatte ich mir das Leben der Bauern nicht vorgestellt. 1989 wurde das Buch von Josef Vilsmaier verfilmt und ist für mich eine der wenigen guten Romanverfilmungen.

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