Wolfgang Tornow

Wolfgang Tornow wurde 1966 in Hamburg geboren und studierte Pädagogik, Psychologie und Theologie an der Universität Hamburg. Er war einige Jahre in der Marktforschung tätig. 1996 vollendete er den Roman "Und Dein Drache redet wieder", in dem er eine Liebesgeschichte speziell für Männer erschuf. Leider ist dieser nicht erhältlich. Derzeit ist er in Lesungen unterwegs und schreibt an einer Bühnenfassung von "Sei Hartz". Mehr erfährt man auf seiner Website: seithartz.de

Sei HARTz - Das Märchen von der Arbeitslosigkeit

Der Titel wird allein schon polarisieren. Arbeitslosigkeit ist halt kein Märchen. Aber niemand hat gesagt, dass Märchen ein Happy End haben müssen. Denn im finsteren Mittelalter dienten Märchen zur Weitergabe von Vorfällen (ähnlich den reißerischen Artikeln deutscher Tageszeitungen mit vier roten Buchstaben in der linken Ecke) oder zur Beruhigung des Volkes bei unerklärlichen Vorfällen. Und damit sind wir wieder beim Thema: Das Märchen von der Arbeitslosigkeit.

Anfangs ist das mit dem Märchen klar. Wolle, dem Protagonisten des Buches, geht es recht gut. Er ist in der Marketingbranche tätig, hat Perspektiven. Er begegnet Amor, der mittlerweile ein alter Mann ist und nicht mehr mit nacktem Hintern herumläuft, aber der immer noch Liebespfeile verschießt. Und er trifft das Happy End mitten ins Herz. Blattschuss und damit wendet sich das selbe. Wolle und seine Tamara leben glücklich bis an das Ende seines Jobs. Das folgt sehr bald. Zunächst scheint alles noch einfach, doch es gibt keine Arbeitsplätze. Wolles Kampf mit dem Riesen, dem Arbeitsamt - pardon - der Bundesagentur für Arbeit beginnt. Der Riese ist einfach stärker. Insofern ist das Märchen gar nicht märchenhaft sondern erschreckend realistisch.

Denn es gibt auch noch Dämonen, Kobolde und Teufel, die auch immer wieder neue Herausforderungen suchen und sich um die Drahtzieherposten bewerben. Sie drehen und nagen an allem, was die Sicherheit der Bürger bedeutet hat und führen dem Leser vor, wie leicht ein Sozialsystem in ein Asozialsystem gewandelt werden kann. Hartz IV war gerade mal der Anfang – und in Verbindung mit Bürokratismus und Schubladendenken eine wirksame Waffe für die Dunkle Seite.

Tornow kennt das alles gut – er war selbst arbeitslos und ist zwischen die Mühlen der Arbeitslosengesetze und deren Auslegung geraten. Zur Vorbereitung des Buches hat er mit etlichen Arbeitslosen gesprochen und deren Erfahrungen gesammelt: Da kann man nur noch böse und zynisch sein – oder?

Seit ich das Buch gelesen habe, sind einige Monate vergangen. Und was allein in diesen Monaten an der Gesetzgebung angedacht, ausgesprochen und verändert wurde ist, erschreckt mich zutiefst. Das Märchen von der Arbeitslosigkeit ist keines mehr: die Kobolde haben die Macht übernommen.

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