Das Mädchenorchester von Auschwitz

Der Wahnsinn von Auschwitz ist für die heutige Generation unfassbar. Die perfekte Todesmaschinerie mit allen Grausamkeiten und ihrer gesamten Unmenschlichkeit ist uns - zum Glück - sehr fern. Dennoch heißt die "Gnade der späten Geburt" nicht, dass man diese Vorfälle ignorieren oder gar vergessen sollte. Ich habe sehr viele Bücher über die Nazi-Ära gelesen, immer wieder mit der gleichen Fassungslosigkeit. Und ich denke, es ist sehr wichtig, dass die Erinnerungen an diese Zeit niemals verloren gehen. Ein Orchester in einem Todeslager ist eine abstruse Vorstellung. Doch gerade an diesem Irrwitz zeigt sich die perfide Denkungsweise der Nazis.

Fania Fenelon: Das Mädchenorchester in Auschwitz
Fania Fenelon, französisch-jüdische Sängerin und Mitglied der Resistance, wurde nach ihrer Deportation Mitglied im "Mädchenorchester von Auschwitz". Sie schildert die Zustände im Lager, die Grausamkeiten und überlebt nur aus dem Willen heraus, Zeugnis über diesen Wahnsinn abzulegen. Das Orchester unter Alma Rosé besteht aus fast 50 Frauen, die auf engstem Raum leben und nur durch die Musik überleben können. Fenelon beschreibt auch die Schwierigkeiten untereinander, die Rivalitäten und Streitigkeiten, doch auch Vertrautheiten, die unter den Frauen entstehen. Die Situation verschlechtert sich auch erheblich nach dem Tod von Alma Rosé. Die wenigen Privilegien des Orchesters erlöschen jedoch alle durch den Abtransport in das Lager Bergen-Belsen. Dieser Bericht geht sehr unter die Haut.

 

Anita Lasker- Wallfisch: Ihr sollt die Wahrheit erben
Anita Lasker-Wallfisch ist die Cellistin "Marta" in Fania Fenelons Buch. Sie schildert ihre Lebensgeschichte, vor allem die Zeit vor Auschwitz, in der sie und ihre Schwester als Zwangsarbeiterinnen in einer Breslauer Papierfabrik arbeiten. Sie arbeiten mit der französischen Untergrundbewegung zusammen und fälschen Pässe für Zwangsarbeiter. Nach ihrer Entdeckung verbringen sie längere Zeit getrennt im Gefängnis, finden sich 1943 jedoch in Auschwitz wieder. Anita findet Aufnahme im Mädchenorchester und kann über diese Beziehungen auch ihre Schwester retten. Anita Lasker-Wallfisch schrieb dieses Buch für ihre Enkel - gegen das Vergessen - und gehört zweifellos zu den wichtigsten Dokumentationen über das Leiden und den Überlebenskampf.

 

Richard Newman, Karen Kirtley: Alma Rose, Wien 1906 / Auschwitz 1944
Alma Rosé kam aus einer Musikerfamilie - ihr Vater Alfons leitete ein Wiener Orchester, ihr Onkel war Gustav Mahler. Sie war eine berühmte Sologeigerin, bis zu ihrer Deportation nach Auschwitz. Dort wurde sie als Dirigentin und Kapo des Mädchenorchesters eingesetzt und sicherte durch Disziplin und Härte das Überleben der Musikerinnen bis zu ihrem ungeklärten Tod 1944, bei dem Vergiftung nicht ausgeschlossen wird. Der kanadische Musikkritiker Richard Newman hat Jahrzehnte an dieser Biografie gearbeitet, Briefe gesichtet und Gespräche mit Zeitzeugen geführt und so ein lebendiges Porträt dieser Frau geschaffen.

 

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