Kurt Tucholsky

09.01.1890 bis 21.12.1935

Kurt Tucholsky wurde am 9. Januar 1890 als Sohn eines Bankdirektors in Berlin geboren. Er besuchte das Gymnasium und bestand 1909 die Reifeprüfung. Schon mit 17 Jahren veröffentlichte Tucholsky seine erste Geschichte. "Märchen" wurde in der "Ulk", der Beilage des Berliner Tageblatts, veröffentlicht.

Tucholsky studierte Jura in Berlin und Jena und promovierte 1914/1915 über Hypothekenrecht. Während des Studiums schrieb er Artikel für das sozialdemokratische Blatt "Vorwärts" und veröffentlichte 1912 die Erzählung "Rheinsberg - ein Bilderbuch für Verliebte". Im gleichen Jahr schrieb er erstmals für die Berliner Zeitschrift "Die Schaubühne" (später "Die Weltbühne"). Er veröffentlichte seine Artikel unter den Pseudonymen "Ignaz Wrobel", "Peter Panter" und "Theobald Tiger".

1915 erfolgte seine Einberufung in den 1. Weltkrieg und Tucholsky wurde in den Osten verlegt. Nach Kriegsende 1919 kehrt kehrte Tucholsky nach Berlin und zum "Ulk" zurück und übernahm die Chefredaktion. Auch weiterhin veröffentlichte er Artikel und Gedichte in der nun umbenannten "Weltbühne" und schrieb Beiträge für verschiedene Kabaretts.

1920 heiratet er die Ärztin Else Weil und legte wenige Monate später seine Tätigkeiten beim "Ulk" nieder und konzentriert sich auf seine diversen Veröffentlichungen. Weiterhin gründet er mit Ossietzky und anderen Gesinnungsfreunden einen Aktionsschausschuss "Nie wieder Krieg".

Die Inflation zwang ihn jedoch dazu, eine lukrativere Tätigkeit zu übernehmen und so arbeitete Tucholsky ab 1923 als Privatsekretär des früheren Finanzministers Hugo Simon für das Bankhaus Bett, Simon & Co.
1924 war ein einschneidendes Jahr für Tucholsky. Er kündigte seine Tätigkeit bei Bett Simon & Co. und ließ sich von Else scheiden. Bereits im gleichen Jahr heiratete er Mary Gerold und bereiste ausgiebig Frankreich und war auch dort für den Pazifismus aktiv.

Nach dem Tod des Herausgebers der "Weltbühne" 1926 kehrte Tucholsky nach Berlin zurück und übernahm die Leitung. Diese Aufgabe gab er ein Jahr später an Carl von Ossietzky weiter, blieb aber der Zeitschrift bis 1931 als freier Mitarbeiter erhalten. Er unternahm viele Reisen durch Europa und kam 1928, nach der Trennung von Mary, erstmals nach Schweden. Tucholsky mietete im Sommer 1929 eine Villa in Hindas, um sich ständig in Schweden niederzulassen.

Die Schwierigkeiten nahmen zu. 1931 veröffentlichte Tucholsky einen Aufsatz, in dem der Satz "Soldaten sind Mörder" steht. Ossietzky und Tucholsky sollten sich vor Gericht verantworten, sie wurden von der Reichswehr wegen Beleidigung verklagt. Tucholsky bleibt in Schweden und Frankreich und lehnt es ab, zu dem Termin zu erscheinen. Seine publizistischen Tätigkeiten stellte Tucholsky 1932 ein, als der Nationalsozialismus begann in Deutschland stärker um sich zu greifen. 1932 erschein sein letzter Artikel in der "Weltbühne", danach veröffentlicht er noch einen Brief, in dem er sich als "aufgehörten Dichter" bezeichnet. Er hatte direkte Angriffe auf die emporstrebenden Nazis geschrieben, vor allem in dem Gedicht "Joebbels", das sich auf Josef Göbbels bezog und in der Satire "Hitler und Goethe - Ein Schulaufsatz", der nach der Machtergreifung sicherlich ein Todesurteil bedeutet hätte.

Am 10. Mai 1933 wurden seine Bücher von den Nazis verbrannt, im August wurden seine Vermögenswerte beschlagnahmt und Kurt Tucholsky aus Deutschland ausgebürgert. Tucholsky war als staatenlos. Er zog wieder nach Hindas und suchte um die schwedische Staatsbürgerschaft nach, die ihm jedoch nicht gewährt wurde. Tucholsky publizierte konsequent nicht mehr. 1935 versuchte er erfolglos, Ossietzky für den Nobelpreis vorzuschlagen und somit seine Freilassung aus dem Konzentrationslager zu bewirken.

Am 21.12.1935 starb Tucholsky an einer Überdosis Schlafmittel nach einem Selbstmordversuch. Er wurde auf dem Friedhof Mariefried bei Schloß Gripsholm beigesetzt.


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© A. Kalmer, 2003