Erich Ohser

18.03.1903 bis 06.04.1944

Erich Ohser wurde am 18. März 1903 als Sohn eines Zollbeamten in Untergettengrün bei Adorf geboren. 1907 übersiedelte die Familie nach Plauen. Er besuchte dort die Volksschule und vollendete die nachfolgende Ausbildung als Schlosser mit Auszeichnung. 1920 begann er sein Studium an der Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. Bereits als Student entwickelte er seinen eigenen Stil und sein soziales und politisches Interesse prägte seine Zeichnungen. Dies wurde nicht zuletzt von zwei Freunden gefördert: Redakteur Erich Knauf, der wie Ohser aus Plauen stammte und der angehende Schriftsteller und Redakteur Erich Kästner, der zu dieser Zeit in Leipzig Literatur studierte.

Ohser lieferte den beiden Zeichnungen und Illustrationen zu ihren Veröffentlichungen. Die drei Erichs bildeten den Schrecken der Leipziger Konservativen. Sich gegenseitig beeinflussend in ihrer liberalen Weltsicht, hatten sie es unter ihren jeweiligen Vorgesetzten nicht unbedingt leicht. 1927 erfolgte der "Fußtritt Fortunas": Kästner hatte das Gedicht "Du meine 9. Sinfonie" veröffentlicht, Ohser steuerte die passende Zeichnung bei. Was beide nicht beachtet hatten: 1927 war das Beethoven-Jahr. Da beide ihrem Arbeitgeber, der Leipziger Neuen Zeitung, politisch suspekt waren und interne Redaktionsintrigen sicherlich ebenfalls eine Rolle spielten, fanden sie sich mit Hab und Gut und unsicherer Zukunft in Berlin wieder.

Kästner, Knauf und Ohser bekamen nach der Machtergreifung durch die Nazis erhebliche Probleme. Ohser bewarb sich 1934 um Aufnahme in den Reichsverband der deutschen Pressezeichner, da er sonst nicht gewerblich tätig sein durfte. Er wurde wegen seiner "früheren exponierten publizistischen Tätigkeit im marxistischen Sinne'' abgelehnt. Das kam einem Berufsverbot gleich. Ohser versuchte nun, unter einem Pseudonym unpolitisch zu veröffentlichen. Als "e.o.plauen" erhielt er schließlich eine Arbeitserlaubnis und veröffentlichte im Ullstein-Verlag die bekannte Bilderreihe vom "Vater und Sohn", die ihn auch heute noch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt machte.

(Bilder aus: e.o. plauen "Vater und Sohn" in Gesamtausgabe Erich Ohser © Südverlag GmbH, Konstanz 2000) mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Doch seine radikale Ablehnung der Nazis wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Während eines Bombenalarms verkürzten sich Erich Ohser und Erich Knauf die Zeit im Luftschutzkeller mit politischen Witzen. Einer der Hausbewohner denunzierte sie wegen defätistischer Äußerungen. Sie wurden beide verhaftet. Knauf wurde zum Tode verurteilt und die Hinrichtung wurde vollstreckt und Knaufs Witwe in Rechnung gestellt. Die Verhandlung gegen Erich Ohser war am 7. April 1944 angesetzt und das Urteil hätte sicherlich nicht anders gelautet. Erich Ohser erhängte sich einen Tag davor in seiner Zelle.

Mehr Informationen unter: Vater und Sohn


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© A. Kalmer, 2003