Christian Morgenstern

06.03.1871 bis 31.03.1914

Christian Morgenstern wurde am 6. Mai 1871 in München geboren. Sein Vater Carl Ernst war Landschaftsmaler, deshalb verbrachte die Familie die Sommermonate oft in Oberbayern. So ergab sich ein eher unregelmäßiger Schulunterricht. 1881 starb seine Mutter an einem Lungenleiden und sein Vater schickte ihn zunächst zu seinem Paten nach Hamburg, dann kam Christian in ein Internat nach Landshut.
Der Vater verheiratete sich 1882 ein zweites Mal und wurde im folgenden Jahr als Professor an die Königliche Kunstschule in Breslau berufen.

Von 1885 bis 1889 besucht Morgenstern ein Gymnasium in Breslau, wo er 1889 Friedrich Kayßler kennen lernt und bereits erste dichterische Versuche startet. Auf Wunsch des Vaters geht er vom Gymnasium ab um eine Offizierslaufbahn aufzunehmen, die er jedoch kurz darauf ebenfalls abbricht. Er wechselt wieder zurück zum Gymnasium und absolviert 1892 die Abschlussprüfung, im Anschluss studiert er dann in Breslau Nationalökonomie. Bereits während der Schulzeit hatte Morgenstern zu schreiben begonnen: kleinere Satiren und Gedichte.

Während des Sommersemesters in München 1893 entsteht "Sansara, eine humoristische Studie" zusammen mit Kayssler. Dann erkrankt Morgenstern schwer und erholt sich nur langsam. Der Vater, inzwischen ein drittes Mal verheiratet, will die Kosten für das Studium nicht mehr übernehmen. 1895 kommt es zum endgültigen Bruch. Morgenstern muss sein Studium endgültig aufgeben.

Morgenstern geht nach Berlin und nimmt eine feste Stelle als Mitarbeiter der Täglichen Rundschau und der Freien Bühne an. 1895 erscheint seine erste Veröffentlichung: "In Phanta's Schloß". Zwei Jahre später veröffentlicht er "Horatius travestitus", ein Zyklus von 18 satirischen Oden.

Von 1897 bis 1903 übernimmt Morgenstern eine Auftragsarbeit des Fischer Verlags und übersetzt die Gedichte und Versdramen Henrik Ibsens. Dazu muss er erst Norwegisch lernen. Zum Jahreswechsel 1898/ 1899 reist er nach Oslo und lernt Ibsen persönlich kennen. Er hat nun weniger Zeit für eigene Werke, zumal er sein ererbtes Lungenleiden ihn einige Monate zu einem Kuraufenthalt in Davos zwingt. Dennoch erschienen drei Bände (1898: "Ich und die Welt", 1900: "Ein Sommer", 1902: "Und aber ründet sich ein Kranz").

Im Anschluss bereist er die Schweiz, dann Mailand, Rapallo, Portofino und Florenz und schließlich zurück nach Zürich. Im Dezember 1902 reist er nach Rom, im März 1903 nach Fiesole. Im Mai 1903 kehrt er wieder nach Berlin zurück und nimmt im Verlag Cassirer eine Lektorstelle an. Dort erscheinen auch 1905 die "Galgenlieder", eine Sammlung witziger und frecher Gedichte, die mehrere Auflagen haben. 1906 erschien "Melancholie" und 1910 folgte "Palmström". De Folgebände der Galgenlieder ("Palma Kunkel" und "Der Gingganz") erscheinen erst nach Morgensterns Tod.

1905 folgen weitere Kur- und Sanatoriumsaufenthalte. Durch die Auseinandersetzung mit seiner Krankheit wendet sich Morgenstern der Mystik zu. Er sammelt in seinem "Tagebuch eines Mystikers" Sprüche, Notizen, Verse und andere Fragmente (veröffentlicht 1918 in "Stufen").

Es folgt wieder eine Epoche der Reisen, nach Tirol, Italien und in die Schweiz. 1908 lernt er Margareta Gosebruch von Liechtenstern kennen und verlobt sich mit ihr. Durch Margareta beschäftigt er sich mit der Anthroposophie und hört Vorträge von Rudolf Steiner in Berlin, Düsseldorf und Koblenz, im Mai 1909 wird er Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft. Morgenstern reist abwechselnd zu Steiners Vorträgen und zu verschiedenen Sanatorien. Nun nimmt er zum ersten Mal seit seinem Bruch mit dem Vater Kontakt auf und besucht ihn.

1910 heiratet er Margareta und reist mit ihr durch die Schweiz und Italien. Schließlich verschlechtert sich sein Zustand, so dass er die Reise abbrechen muss. Es folgten Sanatoriumsaufenthalte in Arosa und Davos. Sobald eine Verbesserung eintritt, nimmt er die Reisen wieder auf. Bei einer Lesung im Dezember 1913 muss Marie von Sivers seine Werke vortragen, denn er selbst kann nicht mehr laut reden.

Morgenstern verfällt zusehends. Das Sanatorium in Arco weigert sich, ihn aufzunehmen und er stirbt am 31. März 1914 in einer Privatwohnung in Meran. Seine Urne steht im Goetheanum in Dornach.


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© A. Kalmer, 2003