Else Lasker-Schüler

11.02.1869 bis 22.01.1945

Elisabeth Schüler wurde 1869 in Wuppertal-Elberfeld geboren. Sie galt als Wunderkind der Familie, konnte mit vier Jahren bereits lesen und schreiben. Da der Vater als Kaufmann und Privatbankier recht vermögend war, wurde Else durch Hauslehrer unterrichtet. Sie selbst hat um ihre Kindheit einen ungeheuren Mythos gelegt, so dass man auch heute nicht genau erkennen kann, wo die Wahrheit aufhört und die Dichtung beginnt. So hat sie als Erwachsene nie ihr Geburtsdatum korrekt angegeben und bis zur Ihrem Tod ihr Alter um sieben Jahre reduziert.

1894 heiratete sie den Arzt Dr. Bertold Lasker (dem Bruder des Schachweltmeisters Emanuel Lasker) und zog nach Berlin. Sie war auch als Malerin und Zeichnerin tätig und mietete ein Atelier im Berliner Tiergarten, das in erster Linie Zuflucht vor dem Ehemann bot, der sie arg unterdrückte. 1899 veröffentlichte sie ihr erstes Gedicht in dem Magazin "Die Gesellschaft". 1899 wurde ihr Sohn Paul geboren, ein Jahr später trennte sie sich endgültig von Bertold Lasker. Else verstärkte ihre Kontakte zu Künstlerkreisen und fand hier Freund- und Liebschaften. Sie zählte u.a. Franz Marc, Georg Trakl und Gottfried Benn zu ihren Freunden.

Im September 1903 heiratete sie den Musiker Herwarth Walden. Doch auch diese Ehe wurde geschieden (1912). Danach lebte sie in Pensionen und Hotelzimmern oder bei Freunden. Während ihrer Reise nach Rußland 1913 besuchte sie ihren Geliebten, den Anarchisten Senna Hoy (Johannes Holzmann) im Gefängnis und bemühte sich um seine Freilassung. Senna Hoy wurde nach Sibirien verschleppt und starb kurze Zeit später.

In diesen Jahren erfolgten zahlreiche Veröffentlichungen von Gedichten und Prosa, hauptsächlich in Zeitschriften des Expressionismus. Sie hielt Lesungen in Berlin und unternahm Vortragsreisen, u. a. nach München, Wien, Prag, Köln und Zürich. Am 27.04.1919 wurde ihr Stück "Die Wupper" im Deutschen Theater Berlin uraufgeführt. Während der Weimarer Republik druckte vor allem das "Berliner Tageblatt" ihre Arbeiten und im November 1932 wurde ihr, zusammen mit Richard Billinger, der Kleistpreis verliehen.

Bei Machtergreifung der Nazis flüchtete Else Lasker-Schüler aufgrund ihrer jüdischen Herkunft in die Schweiz. 1934 erfolgte ihre erste Palästinareise. Sie veröffentlichte während des Krieges weiter in Exilblättern, aber auch in regulären Zeitschriften, wie "Orient" (Haifa), "Neue Züricher Zeitung" und "Basler Nachrichten". 1937 unternahm sie ihre zweite und im April 1939 die dritte Palästinareise. Aufgrund des Kriegsausbruches verweigerte die Schweiz ihr ein Wiedereinreise-Visum. Else Lasker- Schüler saß nun in Jerusalem fest. Losgelöst von allen Bekannten und Vertrauten wurde sie sonderbar und galt als "verschroben". 1945 starb sie in Jerusalem und wurde auf dem Ölberg beigesetzt.

Auch Else Lasker-Schülers Ruhm erreichte den Zenit erst nach ihrem Tod. In ihrer Zeit galt sie als schwierig, extravagant und zu leidenschaftlich. Sie schildert die Lust der Frau, Körperlichkeit und außereheliches Verlangen - und dies zu einer Zeit, in der Frauen zu Kinder, Küche und Kirche erzogen wurden. Ihre Gedichte sind wunderschön, erotisch und wild.


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© A. Kalmer, 2003