Bertolt Brecht

10.02.1898 bis 14.08.1956

Bertolt Brecht wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg als Sohn eines Fabrikdirektors geboren. Nach dem Abitur studierte er Medizin in München und leistete währenddessen vorübergehend Kriegs- und Sanitätsdienst.

1923 wurde er Dramaturg an den Münchener Kammerspielen und ein Jahr später am Deutschen Theater. Dies jedoch nicht lang, noch im gleichen Jahr ließ er sich als freier Schriftsteller in Berlin nieder. Durch seine Beziehung zu Helene Weigel begann er sich mit dem Marxismus zu beschäftigen, wenngleich ihm in seiner politischen Einstellung von Kritikern auch eine gewisse Berechnung nachgesagt wird. Brecht gilt bei einigen auch heute noch als "Salonkommunist".

1928 wurde seine Uraufführung der "Dreigroschenoper" sensationell erfolgreich. Dieses Stück brachte ihn Weltruhm. 1931 führte er "Mann ist Mann" auf, das Stück floppte.

Nach Machtergreifung der Nazis floh er über Österreich in die Schweiz, nach Dänemark, England, Schweden, in die Sowietunion und nach Kalifornien. Diese Exiljahre erwiesen sich erfolgreichste Schaffungsperiode Brechts, in der er viele wichtige Stücke, u.a. "Der kaukasische Kreidekreis" schrieb.

Brecht kokettierte mit seiner roten Einstellung und bekam dadurch Probleme in den USA. Nach politischen Verhören vor einem amerikanischen Unterausschuss verließ er Amerika und kehrte 1947 nach Europa zurück. Zunächst blieb er in der Schweiz. Da ihm die Einreisegenehmigung nach Westdeutschland von den alliierten Behörden verweigert wurde, übersiedelte Brecht nach Ost-Berlin. Dort gründete er das Berliner Ensemble unter der Leitung Helene Weigels.

1949 bis 1956 inszenierte er weiter seine eigenen Stücke und errang internationalen Ruhm. Er war ab 1950 Mitglied der Akademie der Künste in Ostberlin und willigte sogar ein, von den ostdeutschen Behörden erwünschte Änderungen in seiner Oper "Verhör des Lukullus" vorzunehmen.

Seine zwiespältige Haltung zum Arbeiteraufstand am 17. Juli 1953 verursachte auch Zwiespältigkeit unter seinen Anhängern. Von seinem Brief an die SED wurde in Ostdeutschland nur der letzte Teil veröffentlicht, der als eindeutige Parteinahme interpretiert wurde. Diese entstellte Stellungnahme verursachte in Westdeutschland ein Brecht-Boykott. Zitat Brecht: "Der 17. Juni hat die ganze Existenz verfremdet. In aller ihrer Richtungslosigkeit und jämmerlicher Hilflosigkeit zeigen die Demonstrationen der Arbeiterschaft immer noch, daß hier die aufsteigende Klasse ist. Nicht die Kleinbürger handeln, sondern die Arbeiter." (20.8.1953)
1954 wurde ihm der Stalin-Friedenspreis verliehen.

Dank der erfolgreichen Inszenierung seiner Stücke, u.a. des "Kaukasischen Kreidekreises" in Paris, gewann Brecht allmählich wieder Zugang zu bundesdeutschen Bühnen. Brecht starb am 14. August 1956 in Berlin.

Wichtigste Stücke:
Baal; Mann ist Mann; Die Dreigroschenoper; Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny; Das Leben des Galilei ; Mutter Courage ; Der gute Mensch von Sezuan

Bertolt Brecht gilt als einer der wichtigsten deutsche Dramatiker des zwanzigsten Jahrhunderts. Er hat zudem auch Gedichte, Erzählungen, theoretische Essays und Aufsätze geschrieben. Seine Theorie und Praxis des "epischen Theaters" haben wesentlich zum modernen Theater beigetragen. Umstritten ist er noch immer, unabhängig von der hohen Qualität seiner Werke.


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© A. Kalmer, 2003